Bierdeckellexikon

Allgemeine Daten

Als Unterlage für Gläser dient in den meisten Gaststätten ein Bierdeckel, der die Flüssigkeiten davor bewahrt auf den Tisch zu gelangen. Ein normaler Bierdeckel ist im Regelfall aus Pappe. Er hat einen Durchmesser von 107 mm, eine Dicke von 1,2 mm bis 1,5 mm und wiegt zwischen 5 und 10 Gramm. Neben dem klassischen runden Bierdeckel gibt es auch eine quadratische Variante, natürlich sind aber auch andere Formen möglich.

Bezeichnungen

Wie es in der heutigen Zeit ist, gibt es nicht nur einen Namen für den Bierdeckel. In Bayern hat er sich durch den Dialekt zu dem Bierfuiz oder Bierfuizl verwandelt. In Oberfranken und Bayerisch-Schwaben spricht man von dem Bierfilz, bei uns in Franken ist es geläufig ihn Bierfilzla zu nennen. In Österreich wird er als Bierplattl ausgepsrochen. Etwas förmlicher hört sich dann schon der Bierteller, der Getränkeuntersetzer und der BGU = Bierglasuntersetzer an aber auch die Bezeichnung als Werbeuntersetzer, worin das Wort Werbung versteckt ist, wird immer geläufiger.

Druck

Bierdeckel werden mit dem Offsetdruck bedruckt. Der Offsetdruck ist ein indirektes Flachdruckverfahren. Bei diesem Verfahren wird die Druckplatte geschont, da die Platte und der Träger sich nicht berühren. Als Erstes wird die Farbe auf einen Gummituchzylinder aufgetragen und danach auf den zu bedruckenden Stoff übertragen.

Formenvielfalt

Bierdeckel bestehen aus Pappe und können dadurch leicht in verschiedene Formen hergestellt werden. Dies wird durch Stanzen des Materials erzeugt. Nun entstehen neben den klassischen Formen (rund und eckig) Herzen, Biergläser etc.

Geschichte

Im 19. Jahrhundert wurde Bier aus Bierdseideln getrunken, diese hatten Deckeln aus Zinn oder Silber um ihre Getränke vor Ungeziefer zu schützen, diejenigen die sich das nicht leisten konnten, nutzen ihre Untersetzer aus Filz, die sogenannten Bierfilze, als Abdeckung. Daraus entstand der Name Bierdeckel. Diese Bierfilze waren jedoch meist feucht und begünstigten die Vermehrung von Bakterien. Schließlich erfand Robert Sputh aus Dresden 1892 den Vorläufer des heutigen Bierdeckels, die so genannten Holzfilzplatten oder Faserguß-Untersetzer, bei denen der Papierbrei in runde Formen gefüllt und getrocknet wurde. Diese Holzfilzplatten hatten bereits einen Durchmesser von 107 Millimeter, waren 5 Millimeter dick und wurden in der Sputhmühle in Mittelndorf produziert. 
1903 begann Casimir Otto Katz im Murgtal, die bis heute gebräuchlichen Bierdeckel aus heimischen Fichtenholz in Holzschliffpappe industriell herzustellen. Sie werden aus frischem Fichtenholz hergestellt. Dessen lange Fasern sind sehr saugfähig. Aus den Baumstämmen wird ein Brei hergestellt, dem man dann Wasser entzieht. Im Jahre 2003 wurden pro Tag 10 Millionen Stück hergestellt. Die baden-württembergische Katz Group lieferte in ihren besten Zeiten jährlich 3,5 Milliarden Bierdeckel und hielt damit einen Weltmarktanteil von 75 %. Sie musste jedoch im April 2009 wegen des rückläufigen Bierkonsums Insolvenz anmelden. Die Koehler Paper Group übernahm im Oktober 2009 die Fa. Katz. Auch der Bierdeckelspezialist Kurprinz G. I. Keil AG produzierte bis vor wenigen Jahren noch in Sachsen.

Hauptzweck

Der Ursprüngliche Zweck eines Bierdeckels ist es, die Flüssigkeit des Glases die heruntertropft, sowie das Kondenswasser das sich durch die wärmere Umgebungsluft bildet, aufzusaugen.

Nutzungsmöglichkeiten

In Gaststätten wird der Bierdeckel in vielen Fällen dazu genutzt, die Getränke in Form vom Strichen zu notieren, dieser Deckel kann dann auch angeschrieben werden und die Schulden können zu einem späteren Zeitpunkt beglichen werden. Auch signalisiert der auf dem Getränk platzierte Bierdeckel das, der Gast kein weiteres Getränk mehr möchte.
Viele Menschen nehmen Sie auch zum Bau von Kartenhäusern oder als Postkarte um ihre Urlaubsgrüße zu verschicken, der vorher mit einer Adresse versehen wurde. Natürlich wurde dies auch von der gewerblichen Seite entdeckt. Nun kann man seine Werbebotschaft ganz einfach auf einen Bierdeckel drucken lassen, ob diese dann in der Gastronomie genutzt werden oder in den Briefkästen der Kunden landen, spielt keine Rolle, denn diese Bierdeckel sind ein Hingucker.

Pappe

Pappe ist ein Werkstoff und wird meist im Verpackungs- und Kunstgewerbe angetroffen und besteht aus Altpapier oder Zellstoff das zusammengepresst oder geklebt wird.
Hier sind die Produkte aus Holzschliffpappe und ist somit ein Naturprodukt das für Lebensmittel unbedenklich ist. Es wird darauf geachtet das es ein nachhaltig ressourcenschonendes Produkt ist. Durch seinen Stoff hat es ein hohes Absorptionsvermögen und ist vielseitig einsetzbar.

Urkundencharakter

Nach § 267 Abs. 1 StGB stellt ein Dokument eine Urkunde dar, wenn die Menge und die Art der Ware vermerkt wurde. Somit kann ein Bierdeckel als Grundlage für eine Abrechnung dienen, wenn alle Speisen und Getränke auf ihn vermerkt wurden.

Werbung

Die Bierdeckel sind schon lange nicht nur noch ein gewöhnlicher Untersetzer. Er dient dafür eine Werbebotschaft zu überbringen. Sei es in der Gastronomie, in der bedruckte Bierdeckel benutzt werden oder in Geschäften, wie Tankstellen oder Kleidungsgeschäfte in denen die Bierdeckel ausgelegt werden um gezielt Personen anzusprechen. Oder als Bierdeckel die per Post verschickt werden (Bierdeckelpost.de). Diesen kann man als adressierte oder unadressierte Werbung zustellen lassen. Aber eines haben sie alle gemeinsam. Durch den Aufdruck einer Werbebotschaft wird der Bierdeckel zu einem Hingucker, der Eindruck hinterlässt.